Tolle Erfahrungen in Oslo

Am 10. April 2026 habe ich mich von meiner Familie am Flughafen in München verabschiedet, bevor ich mit gemischten Gefühlen ins Flugzeug nach Oslo, Norwegen, gestiegen bin. Der Abschied ist mir alles andere als leichtgefallen, doch sobald München immer kleiner wurde, wuchs meine Vorfreude. Ich kannte meine Gastfamilie bereits, da wir verwandt sind. Beim letzten Treffen war ich allerdings noch ein kleines Kind. Meine Gastmutter ist die Cousine meiner Mutter und meine Großcousins sind mittlerweile wie große Brüder.

Am Flughafen in Oslo wurde ich mit norwegischen Flaggen erwartet. Auf der Autofahrt nach Drøbak, einem wunderschönen Ort am Oslofjord, gab es viel zu erzählen und ich konnte erstmals wirklich Norwegisch sprechen. Am Anfang war es noch relativ schwer und ich habe mich nicht getraut Fehler zu machen, weshalb Englisch zunächst doch zur ersten Wahl wurde. Außerdem wollten wir uns gegenseitig besser kennenlernen, was auf Norwegisch schwieriger war als gedacht. Das erste Wochenende habe ich genutzt, um mich einzuleben, die Gegend zu erkunden und natürlich den restlichen Teil meiner norwegischen Großfamilie kennenzulernen.

Am Montag, den 13. April, hatte ich dann meinen ersten Schultag. Aufgeregt und gespannt, wurde ich v.a. von Thea, Hedda und Linnea herzlich empfangen, die sich dafür gemeldet hatten, mir in den ersten Wochen zur Seite zu stehen und zu helfen. Wir haben uns sofort super verstanden und ich wurde direkt in ihre Freundesgruppe aufgenommen. An norwegischen Schulen ist die Gruppendynamik oft problematisch, da es in einer Jahrgangsstufe nicht selten große Mädchen- und eine Jungsfreundesgruppen gibt, die sogar eigene Initialen besitzen und sehr exklusiv sind. Glücklicherweise habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht, sondern fühlte mich in der Gruppe sehr wohl. Außerdem habe ich die Schülerinnen, die Anfang März bei uns in Icking auf der Schule waren, wieder getroffen. Sie sind ein Jahr älter als ich und damit nicht in meiner Jahrgangsstufe, aber wir haben uns oft in den Pausen gesehen. Bereits nach meiner ersten Schulwoche wurde ich zu einem 18. Geburtstag eingeladen, an den ich mich gerne zurückerinnere.

Die nächsten Tage und Wochen war ich neben der Schule bei Handballspielen meiner Cousinen, im Oslofjord baden, mit einer Freundin in einem großen Freizeitpark oder öfters mit der Freundin meines Cousins eine Runde laufen. Fußball war unglaublich wichtig in der Familie, weshalb ich fast jeden Abend ein Spiel mit meinem Gastvater angeschaut habe oder bei Fußballspielen meines Cousins war. Ende April kamen die sieben anderen deutschen Schüler aus Icking für zwei Wochen nach Drøbak. Es war schön, bekannte Gesichter zu sehen und mit ihnen etwas zu unternehmen. Wir waren öfters in Oslo oder haben uns nach der Schule bei einem ihrer Austauschpartner getroffen.

Während meines Aufenthalts habe ich es sehr genossen, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Zusätzlich zu meiner Gastfamilie, die ich unglaublich ins Herz geschlossen habe, habe ich viel Zeit mit der ganzen Großfamilie verbracht. Eine meiner Cousinen wurde konfirmiert und es war wunderschön, die  Zeremonie und die Feier zu erleben. Ein paar Wochen später ist die gesamte Familie nach Loen in Westnorwegen gefahren, woher mein norwegischer Großonkel aus einer Hotelfamilie stammt. Neben gutem Essen und gemeinsamen Spielen haben wir die Zeit – typisch norwegisch – sportlich und  draußen verbracht: Klettern auf der Via Ferrata , Schwimmen in Fjorden und Gletscherseen und Laufen. Den 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag, haben wir leider fast komplett  im Auto verbracht, weshalb mir das typische Programm für diesen besonderen Tag entgangen ist. Zumindest habe ich auf der Heimreise viele Leute in Bunad, der norwegischen Tracht, gesehen.

Der norwegische Sommer war genauso, wie ich es mir erhofft hatte. Viel Sonnenschein, lange Tage, an denen es fast überhaupt nicht dunkel wird, Strandtage, bummeln durch Drøbak oder Oslo mit Freunden, essen gehen mit der Familie, Eis essen mit meinem Bruder und natürlich viel Fußball – vor allem später auch die Weltmeisterschaft, für die Norwegen das erste Mal seit 28 Jahren wieder qualifiziert war und die ganze Welt mit ihrem Ruderjubel begeistert hat. Später hatte ich sogar das Glück dabeizusein, als 100.000 Menschen die „Landslaget“ gefeiert haben, als diese mit einem offenen Bus durch die Straßen von Oslo gefahren ist. Außerdem war ich mit meinen Gasteltern für ein verlängertes Wochenende auf ihrer Hütte in Trysil. In Norwegen ist es üblich, eine Hütte in den Bergen zu haben. Im Winter ist Trysil eines der beliebtesten Skigebiete in ganz Norwegen, im Sommer kann man wunderschöne Wanderungen machen, auf denen wir sogar Elche und Rentiere gesehen haben!

Und plötzlich war ich schon mitten in meiner letzten Schulwoche. Meine Tante hat mich zur Verabschiedung der Abschlussjahrgangsstufe mitgenommen, wo traditionell auch die norwegische Tracht getragen wird. Abiturienten feiern ihren Abschluss einen ganzen Monat mit ausgelassenen Partys, unter anderem auch in sogenannten Russebussen, mit denen sie die ganze Nacht fahren, bevor sie völlig übermüdet morgens zur Schule gehen. Am vorletzten Schultag hat das jährliche „Barskingen“ stattgefunden, ein Wettrennen, bei dem verschiedenen Hindernisse und Etappen überwunden werden müssen. Hinter der Schule liegt ein See, durch den man schwimmt, bevor man ein Schlammbad durchqueren muss. Es treten immer drei Schüler oder Schülerinnen aus einer Klasse an, während der Rest mit Plakaten am Rand steht und anfeuert. Am letzten Schultag gab es vor der Abschlussveranstaltung der Schule zunächst eine kleine Verabschiedung im Klassenverband. In ihrer Abschlussrede hat die Schulleiterin mich und einen weiteren Austauschschüler aus Kanada namentlich erwähnt. Mich von meinen neuen Freunden zu verabschieden war schwierig, aber ich bin unglaublich dankbar für die ganzen neuen Menschen, die ich kennengelernt habe und dass wir auch danach noch in Kontakt stehen.

Die letzte Woche bei meiner Familie: Ich war mit meinem Onkel Golf spielen, mit meinen Brüdern am Strand, beim St. Hans Feuer, mit dem das norwegische Mittsommerfest gefeiert wird, habe mit der ganzen Großfamilie den Geburtstag einer meiner Tanten gefeiert und war abends bei Freunden. Meine Familie hat an meinem letzten Abend in Drøbak Familie und Freunde zu meiner Abschiedsfeier eingeladen. Da ich sie alle ins Herz geschlossen habe, fällt mir der Abschied extrem schwer. Dennoch bin ich auch extrem dankbar für die Erfahrungen und neuen Menschen in meinem Leben.

Dieser Austausch hat mich sehr viel weitergebracht, ich bin selbstständiger und selbstbewusster geworden, kann besser mit schwierigen Situationen umgehen und habe außerdem eine komplett neue Sprache gelernt. Während es am Anfang noch schwierig war, Norwegisch zu verwenden, spreche ich jetzt die Sprache fast fließend. Diese Zeit in Norwegen war definitiv die prägendste in meinem Leben und wird mir für immer bleiben.

Karolina Rudnik