Eine Studienreise in den Süden ...

Mit Hilfe des europäischen Förderprogramms von Erasmus+ konnte dieses Schuljahr erstmals ein Schüleraustausch für die 7. Jahrgangsstufe mit dem kleinen idyllischen Dörfchen Sainte-Cécile-les-Vignes in der französischen Provence organisiert werden.

Als wir am 21. März schwer bepackt spätabends am Collège Victor Schœlcher ankamen, wurden wir herzlich von unseren Austauschfamilien empfangen. Wir waren sehr stolz, dass wir die erste Hürde, die stürmische Begrüßung, gut geschafft haben: Küsschen links, Küsschen rechts… auf das dort übliche dritte haben wir meist verzichtet, was die Franzosen mit gereckten Hälsen aber lachend hinnahmen.

Erst nach der ersten Nacht in der neuen Umgebung, sah man, wo man eigentlich gelandet war. Die Häuser, häufig mit Pool ausgestattet, und die Weinfelder erinnerten eher an ein hübsches Postkartenmotiv. Für den Sonntag stand Freizeit mit den Gastfamilien auf dem Programm, um sich etwas besser kennenzulernen. Wer nicht direkt der französischen Verwandtschaft vorgestellt wurde, traf einen Großteil der Schulkameraden beim Bowlen oder auf der lokalen Krokodilfarm wieder. Zur Erleichterung unserer Lehrerinnen erschienen wir vollzählig und mit allen Gliedmaßen am nächsten Morgen in der Schule. An das abgeriegelte Schulgelände muss man sich allerdings erst einmal gewöhnen. Nun wissen wir die Freiheiten an unserem Gymnasium deutlich mehr zu schätzen. War man aber erst einmal durch das Tor, ertönte jeden Morgen eine andere europäische Hymne durch die Gänge, da das Collège die Woche der Sprachen feierte. Montags hörten wir also die britische Nationalhymne, anschließend einige Hits der Beatles und wurden dann in die Mensa zu einem kleinen französischen Frühstück bei Croissant und Pain au chocolat gebeten. Die Führung durch das Schulgebäude übernahmen teilweise unsere Corres selbst. Im weiteren Verlauf bereiteten wir uns bei einem Stationenlernen mit den Austauschschülern auf das Nachmittagsprogramm vor. Die Reise führte uns in die nahegelegene Kleinstadt Orange, die uns mit ihrem römischen Erbe absolut beeindruckte. Besonders der antike Triumphbogen und das Amphitheater waren sehr sehenswert – riesige Monumente, 2000 Jahre alt und doch so gut erhalten! Man fühlte sich im Theater wie eine Ameise, aber durch die gute Akustik war die Verständigung über die einzelnen Bereiche kein Problem.

Und es ging historisch weiter. Nach einer gemeinsamen Arbeitsphase an der Schule, in der wir die Stadtentwicklung Montpelliers und Münchens erörtert und miteinander verglichen haben, brachte uns unser Busfahrer Claudiu in die beliebte südfranzösische Metropole. Die Stadt war uns auch deshalb nicht ganz unbekannt, da sie in unserem Schulbuch thematisiert wird. Tatsächlich entdeckten wir die dort angesprochenen Sehenswürdigkeiten: das Kaufhaus Polygone, den Place de la Comédie mit seiner wunderschönen Oper, die älteste medizinische Fakultät Europas, die mittelalterliche Kathedrale St. Pierre und das Musée Fabre …. Oh, haben Sie schon mal die Werke von Pierre Soulages gesehen? Da wird einem leicht „schwarz vor Augen“. 😊 Für unsere Pause suchten wir uns ein hübsches Plätzchen am Botanischen Garten, direkt neben dem einladenden Place Royale du Peyrou sowie einem alten Aquädukt aus dem 18. Jahrhundert. Kurz nach unserer Ankunft lernten wir einen Straßenmusiker kennen, der uns ein kleines Konzert mit traditioneller mittelalterlicher Musik der Region darbot. Als immer mehr Kameras nahe der Sehenswürdigkeit aufgebaut wurden, konnten wir sogar noch kurz einen Blick auf die Dreharbeiten eines Bollywood-Filmes erhaschen. Perfektes Timing!

Auch der dritte Tag stand ganz im Zeichen der Förderung des Geschichtsbewusstseins und führte uns zum berühmten Papstpalast von Avignon. Ein Informationstext lieferte uns genauere Details zum Machtausbau der Kirche im Mittelalter in der südfranzösischen Stadt. Anschließend überprüften wir das Gelernte bei einem Rundgang mit HistoPads durch den imposanten Bau aus dem 14. Jahrhundert. Scannte man die verschiedenen QR-Codes in den einzelnen Räumen, begab man sich direkt auf eine Zeitreise und konnte auf den Tablets die ursprüngliche Innenausstattung betrachten oder den Versammlungen mit dem Papst beiwohnen. Bei einer gemeinsamen Stadtrallye mit unseren französischen Freunden entdeckten wir weitere Highlights der historischen Altstadt, waren andererseits aber auch dazu angehalten, weitere Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich herauszufinden. So mussten wir beispielsweise ein Interview mit einem Einwohner aus Avignon führen, erkannten, dass an französischen Apotheken stets ein grünes Kreuz als Logo leuchtet und ein Kaufmann in den Markthallen zeigte uns seine typisch örtlichen Spezialitäten. Den krönenden Abschluss bildete schließlich der Besuch der berühmten Pont Saint-Bénézet. Wer kennt nicht das berühmte Kinderlied: „Sur le pont d’Avignon“? Natürlich ließen es sich unsere Lehrerinnen nicht nehmen, uns den altbekannten Schlager vor Ort singen zu lassen. Der ereignisreiche Tag endete mit einer Reflexionsrunde am Collège, wo wir das Erlebte noch einmal Revue passieren ließen und die neuen Informationen weiter vertieften.  

Die Fortsetzung folgte am nächsten Tag bei einer Weinfeld-Wanderung durch SainteCécile-les-Vignes bei tosendem Mistral. Der für das Rhône-Delta typische Wind brauste nur so um die deutsch-französischen Ohren. Wieder ein ungeplantes, aber sehr lohnendes Abenteuer! Aufgewärmt und trocken erhielten wir am Donnerstagnachmittag erneut die Möglichkeit, in bilingualen Lerngruppen unsere Schnappschüsse für ein Foto/Videoprojekt zu nutzen. Jeder Schüler sollte mit seinem Partner zehn Bilder zusammenstellen, die am besten die Eindrücke der Austauschwoche wiedergaben und sie dann in jeweils zehn Sekunden in der Fremdsprache vorstellen. Das Spiel verdeutlichte, wie viel man doch innerhalb dieses kurzen Aufenthalts in Frankreich gelernt hatte. Es verbesserten sich nicht nur unsere Sprachkenntnisse, sondern wir gewannen auch einen tieferen Einblick in den Alltag unserer Nachbarn, die französische Geschichte und vor allem … neue Freunde!