Zwei Erasmus+ Projekte eröffnen im März neue Horizonte

Gäste zu empfangen, die selbst im noch recht kühlen bayerischen März von den angenehm warmen Temperaturen begeistert sind und angesichts der deutschen Küche ins Schwärmen geraten, war den Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums bisher sicherlich eher selten vergönnt.

Vor zwei Wochen durften wir diese erfreuliche Erfahrung aber gleich zweimal machen, da unsere Schule zum ersten Mal in ihrer Geschichte Schülerinnen und Schüler aus dem hohen europäischen Norden zu Besuch hatte.

Zwei Wochen lang tauschten nämlich sieben Zwölftklässlerinnen und Zwölftklässler eines Gymnasiums in Drøbak in der Nähe von Oslo ihre norwegischen Klassenzimmer gegen unsere hier in Icking. In ihren Gastfamilien und in der Schule erlebten sie vierzehn Tage lang Familien- und Schulalltag in Bayern, wobei sich wohl vor allem unser Schulleben teils sehr von norwegischen Gepflogenheiten unterscheidet.  So gibt es dort beispielsweise keinen Gong und ChatGPT ist bereits in vielen Stunden ganz normaler (und aus Schülersicht unverzichtbarer) Bestandteil des Unterrichts. Im Mai treten Schüler aus unseren 11. Klassen den Gegenbesuch bei ihren Partnern in Drøbak an.

Zeitgleich besuchte uns auch eine Austauschgruppe aus Västerås, nahe Stockholm, um gemeinsam mit Ickinger Schülerinnen und Schülern an einem Projekt über Erinnerungskultur und die Rolle der Medien in einer demokratischen Gesellschaft zu arbeiten. In diesem Rahmen besichtigten die schwedischen Schülerinnen und Schüler und ihre Partner mit Sarah Ehrmann die Erinnerungsstätte des Konzentrationslagers Dachau, mit Susanne Schäfer das Badehaus in Waldram und mit Emanuel Rüff und Gabriele Schneider die Abendschau des Bayerischen Rundfunks in Freimann.

Im Folgenden Eindrücke zweier an dem Projekt beteiligter Lehrkräfte der Fachschaft Geschichte:

Die KZ-Gedenkstätte Dachau

Am Vortag des Besuchs der KZ-Gedenkstätte Dachau erarbeiteten die schwedischen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren deutschen Partnern wichtige Themen rund um das Konzentrationslager Dachau. Zunächst gab Isabel Cornelius, Klasse 9a, in einem kurzen Vortrag einen Überblick über die Weimarer Republik und die Anfänge des Nationalsozialismus. Anschließend informierte Claudia Eyl die Jugendlichen über die zwölfjährige Geschichte des Lagers, bevor Ickinger und schwedische Schülerinnen und Schüler dann in Kleingruppen Präsentationen zu verschiedenen Schwerpunkten erarbeiteten, darunter: Dachau als Vorbild für andere Konzentrationslager, die „Dachauer Schule“, Häftlingsgruppen, Lagerordnung und Strafmaßnahmen sowie Lebensbedingungen der Häftlinge. Ziel der Projektarbeit war, die Schülerinnen und Schüler thematisch auf den Gedenkstättenbesuch am nächsten Tag vorzubereiten und grundlegendes historisches Verständnis zu fördern.

Am nächsten Tag wurde die Gruppe von Bernd Kroeger vom Dachauer Forum in der Gedenkstätte empfangen und zweieinhalb Stunden durch das ehemalige Konzentrationslager geführt. Sein mit viel Wissen und Einfühlsamkeit auf Englisch gehaltener Vortrag vermittelte eindrücklich, wie das Leben im KZ damals ablief. Besonders die zu sehenden Bauten, wie die nachgebauten Baracken oder das noch original erhaltene Krematorium, vermittelten zumindest im Ansatz das Grauen, das eine Haft in dem „Muster-KZ“ Dachau mit sich brachte. Nachdenklich gestimmt traten wir anschließend die Rückreise Richtung München an.“

Claudia Eyl und Sarah Ehrmann

Die Rolle der Medien und ein Besuch bei der Abendschau des BR:

Schweden im April 1962: Ein Technikexperte erklärt im damaligen Schwarz-Weiß-Fernsehen der ganzen Nation, mit welchem einfachen Trick man fortan das Programm in Farbe genießen könne. Dazu müsste lediglich eine Damenstrumpfhose aus Nylon über den Fernsehbildschirm gespannt werden. Tausende zerrissene Strumpfhosen und einen Tag später ist klar: Es handelte sich um einen Aprilscherz. Dass dieser durchaus auch in deutschen Zeitungen als Presseente zu finden ist, war unter anderem ein Ergebnis, das beim Vergleich der schwedischen und deutschen Medienlandschaft zu Tage trat. Die acht schwedischen und acht deutschen Schülerinnen fanden dabei bei ihren Recherchen in Kleingruppen am Donnerstagvormittag heraus, dass die Gemeinsamkeiten, wie staatlich garantierte Pressefreiheit, das Verbot einer Zensur oder die Funktion als „vierte Macht“ im demokratischen Gefüge, zwischen beiden Ländern deutlich überwiegen.

Am Nachmittag ging es dann mit den schwedischen Lehrerinnen und Emanuel Rüff und Gabriele Schneider in den Bayerischen Rundfunk im Norden von München. Spannend war nicht nur das Gespräch mit einem Chef vom Dienst des Nachrichtenmagazins „Abendschau“, vielmehr konnten wir bei deren Aufnahme live direkt hinter den Kulissen dabei sein. Dabei wurde uns schnell klar: Was im Fernsehen so selbstverständlich wirkt, bedarf einer minutiösen, ja sekundengenauen Planung, vieler Beteiligter (Licht, Ton, Technik, Koordination, usw). Dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei die Ruhe weg und für uns immer noch ein freundliches Wort hatten, blieb uns nach diesem langen Tag im Zeichen der Medien in besonderer Erinnerung.

Emanuel Rüff

Besuch im Fernsehstudio
Gruppenbild mit Roman Roell und Andreas Szelenyi
Abschiedsfoto in Icking
Abschiedsfoto am Flughafen

Für all die neuen Möglichkeiten, die sich dank des Erasmus+ Programmes der Europäischen Union für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte unserer Schule eröffnet haben, sind wir sehr dankbar. Vor allem aber freuen wir uns, dass wir schon nach wenigen Monaten als akkreditierte Erasmus+ Schule so viele herzliche Kontakte zu Lehrkräften und Schülern und Schülerinnen in ganz Europa knüpfen durften und der Ideenaustausch rund um Unterricht und Schulleben bereits in vollem Gange ist. 

Gabriele Schneider, Erasmus+ Koordinatorin