Latein am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium
Als einzige staatliche Schule im Landkreis bietet das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium Icking Latein als erste Fremdsprache an. Doch auch die Schülerinnen und Schüler, die mit Englisch begonnen haben, können bei uns immer noch Latein als zweite Fremdsprache wählen und halten sich damit sämtliche Optionen offen, sich für einen unserer drei Bildungszweige zu entscheiden. So haben alle Lateinschüler für die 8. Jahrgangsstufe bei uns die Wahl zwischen dem sprachlichen, dem naturwissenschaftlich-technologischen oder sogar dem humanistischen Bildungszweig. Mit Latein eröffnet sich Ihnen also die Möglichkeit, den individuellen Vorlieben und Begabungen Ihres Kindes gerecht zu werden – und zwar zu einem Zeitpunkt, wenn sich die Interessen und Anlagen des eigenen Kindes bereits stärker herauskristallisiert haben.
Aber wie auch immer man sich dann später entscheidet: Latein schafft für alle drei Schulzweige eine hervorragende Ausgangssituation:
Für das Erlernen des Französischen hilft Latein (wie bei jeder romanischen Sprache) enorm – beim Wortschatz genauso wie beim Verständnis grammatischer Sprachstrukturen.
Aber auch im naturwissenschaftlich-technologischen Zweig bietet Latein mit seinen logischen Strukturen und der Erziehung zur Genauigkeit eine gute Hilfe, wenn es z.B. eine Programmiersprache im Fach Informatik zu erlernen gilt. Schließlich ist Latein auch die ideale und sogar unverzichtbare Grundlage bei der Wahl des humanistischen Bildungszweigs.
Latein als gymnasiales Basisfach
Als wichtiger Beitrag zur vertieften Allgemeinbildung am Gymnasium wird in Latein Orientierungswissen aufgebaut, welches dazu befähigt, das vielfältige und prägende Weiterwirken der antiken Kultur wahrzunehmen, wesentliche Elemente europäischer Identität zu benennen und auf einer verlässlichen Wissens- und Vergleichsbasis vorurteilsfrei mit anderen Kulturkreisen umzugehen.1
Die Analyse geschichtlicher Prozesse der Antike, verschiedener Verfassungsstrukturen und zentraler politischer Ideen hat im Lateinunterricht einen hohen Stellenwert, ebenso die kritische Auseinandersetzung mit der Wirkungsmacht von Sprache. Durch die Beschäftigung mit rhetorischen Texten erwerben die Schülerinnen und Schüler Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der Rhetorik und setzen sich mit der Frage nach der ethischen Dimension der Beredsamkeit, d. h. des bewussten und ggf. manipulativen Einsatzes von Sprache, auseinander.
Durch die dem Fach Latein zugrunde liegende intensive Sprachbetrachtung und die gründliche Beschäftigung mit Texten unter verschiedensten Gesichtspunkten eignen sich die Schülerinnen und Schüler Lern- und Arbeitstechniken für einen effizienten und nachhaltigen Kompetenzerwerb sowie Strategien der Selbstorganisation an. So können sie allmählich ihr Vorgehen bewusst an den fachspezifischen, auf Präzision ausgerichteten Erfordernissen ausrichten, ihre Lernfortschritte selbst einschätzen, unterschiedlichste Aufgaben- und Problemstellungen eigenständig und systematisch lösen sowie ihre Arbeitsergebnisse selbstkritisch überprüfen. Die durch Latein aufgebaute Allgemeinbildung, sowie die geförderten Sekundärtugenden wie Genauigkeit und die eingeübten Arbeitstechniken etc. helfen auch in anderen Fächern, sodass man zurecht Latein als gymnasiales Basisfach bezeichnen kann.
Der Sprachunterricht
Mit „Adeamus!“ (bei Latein als erster Fremdsprache) oder dem Lehrwerk Campus C (bei Latein als zweiter Fremdsprache) stehen den Schülerinnen und Schülern bei uns von Beginn an moderne, kindgerechte und speziell auf die Anforderungen des G9 zugeschnittene Lehrwerke zur Verfügung.
Schon im Sprachunterricht („Lehrbuchphase“) bis zur 8. Klasse werden Themen der römischen Geschichte und der antiken Kultur und damit der kulturellen Grundlagen Europas in geschlossenen Lesestücken behandelt. Die große zeitliche Distanz, die bei einer solchen Beschäftigung überbrückt wird, verhilft den Schülern zu einer neuen und bedeutenden Erkenntnis: nicht nur das Vertraute, Aktuelle, auch das weit Zurückliegende ist für ein tieferes Verständnis der eigenen Lebensbedingungen wichtig.
Der Sprachunterricht selbst vermittelt vor allem im Wortschatz ein Basiswissen für die europäischen Sprachen, an erster Stelle für die romanischen Sprachen Italienisch, Französisch und Spanisch, was beim Erlernen dieser lebenden Sprachen gute Dienste leistet. Sogar der Wortschatz des Englischen ist weit mehr, als man gemeinhin denkt, vom Lateinischen geprägt. Besonders aber erfahren die Schüler eine systematische Schulung in Grammatik und erwerben dadurch Kenntnisse, die für jedes Sprachenlernen, sei es in der Schulzeit oder später bei privater oder beruflicher Beschäftigung mit Sprachen, grundsätzlich notwendig sind.
Während der Praxis des Unterrichts in Latein werden die Schüler von vornherein an den exakten Umgang mit einem logisch aufgebauten Sprachsystem gewöhnt. Dies zwingt zu Genauigkeit des Lernens und Erkennens, Fähigkeiten, die auch dem Leistungsvermögen in anderen Fächern zugutekommen. Von Anfang an wird eine konzentrierte Arbeitshaltung gefördert, die auch in anderen Fächern nützt.
Als Ergänzung zum Lehrbuch steht ein reiches Angebot von Lern- und Motivationshilfen zur Verfügung, das die Aktualität der Antike und das gerade in den letzten Jahren gestiegene Interesse unserer Zeit an Latein beweist: Filme, eine Fülle von unterhaltender Literatur, vor allem guter Jugendbücher, Ausstellungen und Museen. Die Kolleginnen und Kollegen der Fachschaft Latein verbinden diese modernen Medien mit ihrem Unterricht. Selbstverständlich gibt es zu den bei uns eingeführten Lehrbüchern auch Begleithefte und Zusatzmaterial mit zusätzlichem, ansprechend und abwechslungsreich aufbereitetem Übungsmaterial.
Durch das ständige Wechselspiel von Abstraktion und Konkretisierung eignet sich das Fach Latein in hohem Maße zum Einüben kompetenzorientierten Arbeitens.
Der Lektüreunterricht
Die lateinische Literatur bietet Texte, die über weit mehr als ein Jahrtausend hinweg zu wirkungsmächtigen Vorbildern der europäischen Literatur geworden sind. Im Verlauf des Lektüreunterrichts der 9. bis 11. Jahrgangsstufe werden die hohe inhaltliche und stilistische Qualität dieser lateinischen Werke sowie das komplexe Zusammenspiel von Form und Inhalt erschlossen. Dazu vollziehen die Schülerinnen und Schüler den Gedankengang bedeutender Texte nach, analysieren deren Struktur und sprachlich-stilistische Gestaltung, erfassen die ästhetische Dimension der Texte, deuten ihre Inhalte und nehmen fundiert Stellung zu den behandelten Themen.
Leistungserhebungen und Latinum
Die „großen Leistungsnachweise“ (Schulaufgaben) bestehen an unserer Schule bis zur 11. Jahrgangsstufe immer aus zwei Teilen, einer Übersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche sowie einem Aufgabenteil zu den Bereichen „Sprache“, „Textarbeit“, „antike Kultur und ihr Fortwirken“ sowie „Grundwissen“. Diese Prüfungsform kommt Schülerinnen und Schülern, die die Dinge gerne schriftlich vor sich haben und in Ruhe durchdenken wollen, sehr entgegen. Denn Hörverstehensaufgaben oder Diktate kommen hier nicht vor. Ab der 10. Jahrgangsstufe sind dann lateinisch-deutsche Lexika zugelassen. In der 11. Jahrgangsstufe gibt es sogar eine Schulaufgabe, die nur die Interpretation eines lateinischen Textes (mit beigefügter deutscher Übersetzung) umfasst, sodass also kein Text übersetzt werden muss.
Wird Latein nur bis zur 11. Jahrgangsstufe belegt, so ist mit der Zeugnisnote 4 (oder besser) in der 10. oder 11. Jahrgangsstufe das für einige Studiengänge erforderliche „Latinum“ automatisch erreicht.
Das „kleine Latinum“, das für die meisten Studiengänge, die Latein voraussetzen, ausreicht, erwerben bereits alle Schüler, die im Jahreszeugnis der Jahrgangsstufe 9 in Latein mindestens die Note „ausreichend“ erhalten.
1) Einzelne Passagen sind wörtlich zitiert aus dem Fachprofil des LehrplanPlus: Selbstverständnis des Faches Latein und sein Beitrag zur Bildung